Das Ende der Freiheit


Das Ende der Freiheit

Deutschland, immer noch ein Wintermärchen

ADRIAN WERUM

awerum

1/14/20224 min lesen

Das Ende der Freiheit

Deutschland – Immer noch ein Wintermärchen

Mit der Freiheit ist das so eine Sache:

Man kann der Freiheit nachjagen, aber man wird sie nie erreichen. Du kannst versuchen, sie zu fangen, aber dann wird sie dir entkommen. Man kann sie nur gewinnen, wenn man ständig um ihre Gunst wirbt. Und ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass sie nur im Kampf gewonnen werden kann.

Die Menschen in Europa gehen sehr unterschiedlich mit der Pandemie um.

Woher kommt sie?

Ich bin daher der Meinung, dass abgesehen von den Deutschen alle anderen nicht nur für ihre Freiheit kämpfen mussten, sondern sie auch erfolgreich errungen haben.

Deshalb ist der Wert der Freiheit in jedem Italiener, Franzosen oder Polen ein ganz anderer als im deutschen Volk.

Zugegeben, ich war sehr überrascht, dass die Angleichung der europäischen Lebensstile, die in den letzten Jahrzehnten stattgefunden hat, fast über Nacht verschwunden ist.

Es ist äußerst bedrückend zu sehen, wie leicht die Menschen in Deutschland eine Freiheit aufgaben, für die sie nie kämpfen mussten.

Sie wurde Ihnen von den westlichen Alliierten geschenkt, und deshalb wurde sie wahrscheinlich nie so gewürdigt, wie sie es verdient hätte, erhalten zu werden.

Etwas anders stellt sich die Situation in der ehemaligen DDR dar: Ähnlich wie in den anderen Nachbarstaaten Mitteleuropas ist das Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen aufgrund historischer Erfahrungen tiefer. Zumal man als Bürger der betroffenen Bundesländer immer noch mit dem Gefühl leben muss, ein koloniales Gebilde der Bundesrepublik Deutschland geworden zu sein, während die Tschechen und Polen nicht dazu verurteilt wurden, dauerhafte Minderheiten in einem neuen Staat zu werden.

Dies zeigt sich derzeit auch an den Protesten gegen die Corona-Politik. Dieser Protest scheint eine viel tiefere Wut und Ohnmacht bzw. einen Mangel an Vertrauen in die staatlichen Institutionen im Osten widerzuspiegeln als im Westen.

Freiheit ist ein sehr heikles Gut. Tatsächlich, so scheint mir die Lehre der Gegenwart, ist kein Volk der Freiheit fähig, das sie nicht unter großen Opfern erkämpft hat.

Es geht nicht um das Für und Wider von Impfungen oder die Nützlichkeit einzelner so genannter Maßnahmen (allein dieser Ausdruck aus der Orwellschen Ästhetik sollte zur Vorsicht mahnen). Es geht vielmehr um das Bewusstsein für den Wert der Freiheit.

Wenn dieses Bewusstsein in Deutschland wirklich vorhanden wäre, wäre vieles ganz anders gelaufen.

Ein wirklich freies Volk kann seine Freiheit notfalls vorübergehend aufgeben. Aber dann wird es wichtig sein, dass Klarheit und Hierarchie im Ausnahmezustand geregelt werden, damit jeder weiß: Jetzt ist nicht die Zeit zum Diskutieren, sondern wir befinden uns alle im Ausnahmezustand, der umso kürzer dauert, je besser man sich mit den aktuellen Einschränkungen arrangiert.

In Deutschland wird genau das Gegenteil gemacht:

Man tut so, als sei alles noch im Rahmen der normalen rechtlichen Möglichkeiten. De facto herrscht jedoch ein Ausnahmezustand mit Einschränkungen der elementarsten Freiheiten, in dem auch ganze Branchen in den Ruin oder in die staatliche Abhängigkeit getrieben werden,

Auch die Rechtssicherheit ist aufgrund des sich ständig ändernden Chaos an Vorschriften nicht mehr gegeben. Auch eine Korrektur auf dem Rechtsweg ist in der Praxis nicht möglich, da die langsame Justiz mit dem ständigen Erlass neuer Vorschriften nicht Schritt halten kann.

Auf diese Weise wird die Kontrollfunktion der Justiz faktisch abgeschafft.

Damit verstärkt sich ein Trend, der schon vor Corona sehr bedrohlich war. Viele Bürger nehmen keine konkurrierenden Parteien mehr wahr, die sich durch ihre Konzepte und Werte auszeichnen, sondern nur noch „Politik“. Die Tatsache, dass sich der Beruf des Politikers in den letzten Jahrzehnten immer mehr professionalisiert hat, erweist sich nun als eine weitere Schwäche der parlamentarischen Demokratie.

Selbst bei den Grünen, die zu Beginn ihrer Zeit noch eine Aufteilung der Mandate innerhalb einer Legislaturperiode vorsahen, sehen wir immer die gleichen Personen als Akteure.

Was alle Parteien gemeinsam haben, ist eine ungesunde Dominanz von lebenslangen Karrieristen ohne Berufserfahrung außerhalb der Politik sowie eine überproportionale Dominanz von Lehrern und anderen Beamten, die im Gegensatz zu Freiberuflern und Unternehmern nie ein eigenes finanzielles Risiko eingehen mussten.

Leider ist es offensichtlich, dass es schwierig ist, Verständnis für die Unternehmen aufzubringen, die derzeit unter der Willkür staatlicher Vorschriften zusammenbrechen.

Aber die schiefe Ebene, auf die sich die Regierungsparteien seit 2020 begeben haben, geht noch weiter:

Atmosphärisch hat das zu etwas geführt, das sich sicher niemand wünschen kann:

Alle Blockwarte, die so lange nicht im Dienst waren, fühlen sich nun aufgerufen, wieder in den Dienst zu treten, um ihre Mitmenschen zu schikanieren.

Diese richtet sich manchmal gegen Impfgegner, manchmal gegen Unternehmer und zunehmend gegen Menschen mit ausländischem Aussehen.

Hier wird das ganze Paradoxon besonders deutlich:

Obwohl wohl keiner der regierenden Politiker Fremdenfeindlichkeit und Rassismus fördern will, haben sie genau das durch ihre mangelnde Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und proaktiv zu handeln, getan.

Nun ist ein Land aufgetaucht, das lange Zeit in Vergessenheit geraten war:

Großspurig, fremdenfeindlich, unhöflich, ungehobelt, besserwisserisch, launisch und von Angst getrieben.

Ich wünschte, ich bräuchte das nicht zu sagen. Aber der Kontrast zum übrigen Europa ist zu offensichtlich, um ihn als reinen Zufall abzutun.

Der Grund für alle Maßnahmen und Vorschriften kann in jedem Fall in der Sorge um die Bevölkerung liegen.

Aber was hier geschaffen wurde, ist ein sehr gefährlicher Präzedenzfall.

Von nun an kann das Grundgesetz de facto auf der Grundlage jeder tatsächlichen oder vermeintlichen Bedrohung außer Kraft gesetzt werden, ohne dass die Justiz dies korrigieren muss.

Ich muss nur einen Behördenleiter im RKI auswechseln, um einen effektiven Notstand einzuführen, mit dem ich das Wirtschaftssystem auf elegante Weise verändern kann. Viele bisher unabhängig agierende Unternehmen werden so von staatlichen Subventionen abhängig gemacht und die soziale Marktwirtschaft wird in eine regulierte und geplante Wirtschaft umgewandelt.

Ich bin sehr pessimistisch, was die Lösung dieses Problems in absehbarer Zeit angeht. Durch Unachtsamkeit, Schlamperei und Nachlässigkeit wurden hier Geister freigesetzt, die nicht so leicht wieder loszuwerden sind.

Die Entfremdung zwischen Politikern und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auf der einen Seite und einer großen Minderheit der Bevölkerung auf der anderen Seite wird nur noch größer werden.

Es wird nicht lange dauern, bis die ersten Rufe „Wessis Raus!“ im Osten zu hören sind.

Und das ist nur ein Vorgeschmack auf die Gräben, die sich innerhalb der Gemeinschaften auftun werden. Und wer sollen dann die ersehnten Fachkräfte sein, die in dieses Land einwandern, in dem sich selbst die bisherigen Bewohner nicht mehr wohl fühlen?

Der Verlust der Freiheit geschieht stückweise.

Wie kann man sie zurückbekommen?

Deutschland hat es in seiner langen Geschichte noch nie geschafft, aus eigener Kraft Freiheit zu erlangen.

Warum sollte es dieses Mal anders sein?

Aber auch dieser Text sollte entweder mit Humor oder mit erbaulicher Literatur abgeschlossen werden, und so möchte ich die Gelegenheit nutzen, Henri Heine neu zu entdecken, bei dem es dann so klingt:

http://jeanne-d-arc.spip.ac-rouen.fr/IMG/pdf/nachtgedanken.pdf.

oder auch mit Georg Danzer, einem wunderbaren, viel zu früh verstorbenen Liedermacher aus der Ostmark: